Lyrik für den Herbst


Cartarescu: Du trägst meine Samstage, ich deinen Oktober
Melancholische, freche und ironische Liebesgedichte finden sich hier, Stadtbilder, Erinnerungen an die Kindheit im realsozialistisch-proletarischen Milieu und die Faszination für die weltumspannend-rebellische Jugendkultur. Dazu Sonette, Psalmen und Georgica – sarkastische Bilder vom kulturfernen Leben in der Natur. Das längere Gedicht ‚Der Westen‘, ein großer Gesang der Ernüchterung, beschließt diesen Band.


Wagner: Steine & Erden
Aus dem lehmigsten, kalkigsten Boden der Tatsachen fördert Jan Wagners Blick das Erstaunliche zutage und verwandelt es in Gedichte, deren Leichtigkeit und Klangmagie immer wieder verblüffend sind. Alles lebt und erzählt Geschichten in diesem neuen, beeindruckenden lyrischen Kosmos. Jetzt als Taschenbuch.


Showgi: Die nähere Umgebung
Farhad Showghi: »Das Wort kann sich nach Belieben vom Ding entfernen. Ja, es soll sich ruhig entfernen. Muss nicht immer Sprache können. Es wird dem Ding wieder irgendwann näherkommen, ja, vielleicht sogar überraschen. Können Dinge mehrere Identitäten haben und lose miteinander verbunden sein und sich verflüchtigen, während der Einfluss der Erinnerungen an sie ständig schwankt? Das schreibende Ich, das sich von mir entfernt, wird endlich Dinge sagen können, die mir fremd sind …«


Paris: Nachwasser
Was ein Gedicht sein kann? Alles. Frieda Paris‘ Debüt „Nachwasser“ ist durchlässig, tiefschichtig, auffächernd. Hier schreibt eine Frau, die den Einflüsterungen ihrer Wortmütter ebenso lauscht wie denen eines Vogels, der auf ihrer Schreibschulter ein Nest gebaut hat. Der Text lässt an der Entstehung eines langen Gedichts teilhaben, nimmt mit an den Schneidetisch, wo alles zusammenfindet: gestrandetes Poesiegut, Tränensalz, Wörter der Kindheit – und Zettelrückseiten aus dem Nachlass der großen Wortmutter Friederike Mayröcker.


Shakespeare: Die Sonette
In seinen Sonetten drückt William Shakespeare Gefühle aus, die über die Jahrhunderte hinweg direkt zu uns sprechen. Es geht um Zuneigung und Begehren, Angst und Wut, nicht zuletzt aber um die zeitlose Schönheit der Sprache. Christa Schuenke hat Shakespeares Dichtung eine moderne, klare Form gegeben, die die ganze Intensität des Ausdrucks bewahrt. Für diese beeindruckende Arbeit wurde sie mit dem renommierten Martin-Wieland-Übersetzerpreis ausgezeichnet.


Lerner: No Art
Einer der klügsten und innovativsten amerikanischen Dichter der Gegenwart. No Art zeigt das breite Spektrum lyrischer Formate, das Ben Lerner beherrscht und fortwährend weiterentwickelt: das zerstörte Sonett, das poetische Denkbild, die gestisch verschobene Elegie, die Rekombination und Variation von Reden und sprachlichen Gesten über den einzelnen Text hinaus. Alexander Kluge bescheinigte Lerners Gedichten »einen völlig autonomen Duktus und Rhythmus« und schreibt in seinem Vorwort: »Zugleich finden sich in dieser Strömung von Worten blitzartig hochkonzentrierte Funken an Information, an Witz und inhaltlicher Präzision.«


Liebert: lieder and as große nichts
An der Schwelle zum Schlaf, unterwegs durch die Großstadt, begegnen wir Nikolai Gogol und Marianne Faithfull, Sockendandys und Partymädchen, Versehrten und Abgehängten, »mit dem gesicht nach unten«, »am broadway an der haltestelle«, »für zehn, fünfzehn minuten wirklich«. Sie sind »der spiele so müde, selbst die messer haben das stechen satt«. Denn was ist das Herz anderes als »ein muskulöses hohlorgan« – Kraken haben drei davon, wir Menschen: »eine plötzliche angst vor zügen«. Mit untrüglichem Rhythmusgefühl und einem Ohr auf der Tanzfläche horcht Juliane Liebert in ihren flirrenden Gedichten auf »die einsamen, die lauten, die leichten dinge« und schreibt Verse von großer Zartheit.


Krüger: Die Wiedereinführung der Sanduhr
‚Wenn ich die Jahre der Entstehung dieser Gedichte rückblickend überschaue, dann treten drei Erfahrungen hervor, die sie wahrscheinlich am stärksten geprägt haben: die ländliche Umgebung, in der ich seit ein paar Jahren lebe, der Tod der engsten und liebsten Freunde – und die Erfahrung des Krieges, die mich besonders getroffen hat‘, schreibt Michael Krüger in seiner Nachbemerkung. Die Gedichte sind in den letzten fünf Jahren entstanden.