Sven Regener: Wiener Straße

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Da sind sie also wieder, die alten Haudegen des Café Einfall-Kosmos: Frank Lehmann, noch ein Berliner Frischling, die Künstler Karl Schmidt und H.R. Ledigt, Chrissie, Erwin Kächele natürlich und wie sie sonst noch alle heißen. Irgendwie hat das was Schönes, dass Sven Regener immer noch eine Geschichte zu erzählen weiß. In „Wiener Straße“ sind wir ganz am Anfang der 80er Jahre und haben Kreuzberg pur: total verlabert, ziemlich verstrahlt, schon ambitioniert, aber eben auf so eine verpeilte Art. Es ist also alles da, was auch heute da ist, aber eben in diesem „Mir doch Wurscht, wir sind eine Insel“-Style West-Berlins. So richtig viel Inhalt gibt es nicht: Lehmann und Co. beziehen eine schwarz gemalte Wohnung und streichen sie weiß. Im Café Einfall probiert man es mal mit Kuchenverkauf. Vor allem weil anscheinend der ehemalige Intimfrisurenladen ein Konkurrenzschuppen werden könnten. Und dann soll noch eine Ausstellung stattfinden. Außerdem wird eine Kettensäge in der Hasenheide gekauft. Zack, sind 304 Seiten voll, Pippihumor inklusive. Ehrlich gesagt: Man muss schon ein Frank Lehmann-Fan sein, um Freude an dem Roman zu haben. Nur für sich ist das Buch – na ja. Was es auf der Shortlist des Buchpreises sollte? Keine Ahnung. Wer jedoch seit Jahren diese seltsame Combo begleitet, für den ist „Wiener Straße“ ein Muss. Ja, man ist hinterher kein Stück schlauer, aber hat ein paar gute, manchmal nervige weil too much Stunden in diesem komischen Dorf Kreuzberg verbracht. Und wenn Regener den gelb-braunen Himmel und die Atmosphäre in den Straßen an der Mauer so beschreibt, dann ist man schon dankbar, dass das vorbei ist, aber auch ein bisschen traurig. Und freut sich schon aufs nächste Buch. Seltsam.

kd

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